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Mittwoch, 1. Juli 2009

One day in Frankfurt

Geschrieben von padre in Padres Gedanken und Spielchen
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Eigentlich mag ich die Atmosphäre einer erwachenden Großstadt früh am Morgen. Wenn man neben Müllmännern Fachkräften für Abfallwirtschaft so ziemlich der Einzige auf der Straße ist.

Wenn man die Kraft der gläsernen Bürogebäude spürt und die Kioske am Gehweg ihre mit unzähligen Plakaten vollgeklebten Fensterläden aufstellen.

Allerdings erstickt diese romantische Atmosphäre bei mir immer, sobald mir die ersten Häuserwände die Urin-Fahnen der vergangenen Nacht in die Nase drücken.

So geschehen heute morgen auf dem Weg vom Parkhaus zur Frankfurter Börse. Mein Ziel: Der Online-Marketing-Tag 2009, veranstaltet von der IHK FFM. 

Auftakt-Vortrag von Dr. Torsten Schwarz zum Thema "Pflicht und Kür im Online-Marketing" war recht unterhaltsam und informativ. Auch, wenn vieles ohnehin bekannt ist, schadet es nie, neu inspiriert zu werden.

Herr Dr. Schwarz ist begeisterter Twitterer (DocS) und war von der ganzen Thematik spürbar durchsetzt und begeistert. Ich finde es angenehm, wenn jemand von seinem Beruf besessen ist und man spürt, dass da vorne tatsächlich jemand brennt.

Nachdem ich das folgende Expertengespräch übersprungen habe und heimlich ans frisch aufgebaute Buffet gewandert bin (hat was von als-Erster-Spuren-im-Neuschnee-machen), kam die erste Enttäuschung mit kurzer Verzögerung:

Ich stand mit vollgeladenem Teller an einem hübschen Stehtisch, als die Türen des Vortragsraumes aufgingen und die knapp dreihundert Teilnehmer einer hungrigen Wolke gleich zum Buffet strömten. Dummerweise war mein Stehtisch innerhalb von Sekunden genau in dieser Wolke gefangen.

Habt ihr schon einmal inmitten einer wartenden Menschenmenge versucht zu essen? Ganz viele Menschen Ellbogen an Ellbogen und mit deutlicher Unterschreitung der Distanzzone meiner Intimsphäre.

Ich hatte Mühe, mein Besteck kontrolliert zum Mund zu führen, weil ich ununterbrochen die Rempler der sich vorbei quetschenden Masse ausgleichen musste.

Da alle Umstehenden außerdem nichts besseres zu tun hatten, als mir auf den Teller zu schauen und meine Essbewegungen zu scannen, ließ ich die halb aufgegessenen Köstlichkeiten recht schnell stehen und zwängte mich frustriert ins Freie. Schade um den Lachs und die gegrillten Auberginen. Epic Fail.

Nach der Mittagspause lehrte mich Herr Frank Auth mit seinem Vortrag "Von den Großen lernen heißt siegen lernen - Das Geheimnis des Erfolgs von Social Media Kampagnen" das große Kotzen Grauen. 

Das Geheimnis des Erfolgs hat Herr Auth natürlich nicht gelüftet, sonst hätte er den anwesenden Teilnehmern - allesamt Mitarbeiter kleiner und mittelständischer Unternehmen - wohl verraten müssen, dass "erfolgreiche" virale Kampagnen nur deswegen erfolgreich sind, weil hinter den Vorhängen mit Monster-Budgets unzählige Agenturen und Spezialisten mit großem Aufwand tätig waren. 

Diesen Aufwand können sich KMUs in den seltensten Fällen leisten und erlauben, denn vor der Steigerung einer Marken Awareness stehen wohl sehr viel wichtigere Marketingziele auf der Pflicht-Liste.

So begnügte sich Herr Auth auch vollständig damit, verschiedene Youtube-Videos von Nike- oder Telekom-Kampagnen zu zeigen, danach irgendwelche bunten Diagramme über die Community-Entwicklung der Kampagne zu ergänzen und das mit ins Mikrophon genudelter Off-Moderation zu versehen:

"Du musst Web 2.0 sein und es lieben, jeder kann (und sollte) im Social-Web aktiv werden, seine Kunden sprechen lassen, sich von der klassischen Corporate Website verabschieden, Partizipation ist essentiell". Ganz, als ob Twitter und Facebook sozusagen der neue Wunderschlüssel für ein erfolgreiches eCommerce sind. 

Leider wurden alle diese Kampagnen auf dem englischen oder amerikanischen Markt gestartet und leider verzichtete Herr Auth auch konsequent auf irgend ein Lösungs-Beispiel für den deutschen KMU-Anwender: Weil es nämlich kaum eines gibt und die bekannten Kampagnen von den ganz großen Brands mit der entsprechenden Power durchgeführt werden.

Es funktioniert eben leider nicht so einfach, dass der Metzgermeister Karl-Heinz mit seiner Videokamera ein Video von seiner Katze dreht, wie sie die Mettwürste aus der Ablage frisst, das Video dann auf Youtube hochlädt und wenig später eine Community aus hunderttausenden begeisterten Followern hat, die gleich am nächsten Tag in seine Metzgerei rennen und Wurst kaufen.

Sicherlich hat virales Marketing auch seine Berechtigung für jegliche Unternehmensgrößen und Geschäftsmodelle. Aber dann bitte in einem solchen Vortrag auch mit Tipps und Ideen, wie genau so etwas auf die eigene Branche und im Kleinen umgesetzt werden kann.

Für mich blieb der Geschmack von buzzigem Agentur-Geschwätz, was man sich durchaus erlauben kann, wenn die Mehrheit der Vortragsteilnehmer schon freudig aufgeregt auf dem Stuhl herumrutscht, sobald jemand die Türen zur schillernden Welt von Twitter, Facebook und Social Web öffnet. 

Zum Glück waren die nächsten Vorträge wieder deutlich praxisnäher und haben unter Umständen für die Teilnehmer viel mehr gebracht als jedes Web2.0-Geschleuder: Gezeigt, dass Marketing im Internet schlicht und ergreifend Arbeit ist, dass es wichtige handwerkliche Regeln gibt und einem nichts geschenkt wird. Auch nicht von Youtube oder Twitter.

Als ich mich gerade durch die Rush Hour zurück ins Büro quäle, keimt in mir der Gedanke, eine Agentur für integrierte Kommunikation aufzumachen. Man muss eigentlich nur hemmungslos sülzen können und braucht ein paar Web-Vokabeln, die ein unerfahrenes Gegenüber schnell beeindrucken.

Und dann kann man sich teure Anzüge leisten und auf IHK-Veranstaltungen Vorträge halten. Und an dieser Stelle habe ich die Idee mit der Agentur auch schon wieder begraben.

Beiträge zur Veranstaltung auf Twitter: #omt09

Tags für diesen Artikel: apple, börse, dr. torsten schwarz, facebook, frank auth, frankfurt, ihk, omt09, online-marketing-tag 2009, seminar, twitter, urin, veranstaltung, vortrag, web 2.0, youtube
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Samstag, 27. September 2008

Kurzprotokoll Freitag Abend

Geschrieben von padre in Padres Gedanken und Spielchen
Kommentare (2) | Trackbacks (0)

Halten wir kurz fest, was Freitag abend war. Nachdem sich Padre am Freitag um 21.30 Uhr (von der White-Russian-getränkten Vornacht leicht übermüdet) endlich aus dem Büro trägt, um nach Hause zu fahren, ruft S. auf Padres iPhone an.

Allein das freut Padre ungemein, denn dann kann er sein iPhone auch einmal benutzen und nicht nur verliebt anschauen.

S. schlägt vor, noch einen ganz kurzen Absacker zu trinken bei der gemeinsamen Bekannten S. (die beiden haben den gleichen Vornamen, was die Geschichte nicht unbedingt einfach macht, solange ich die Namen abkürze). Da Padre nun in diesem Jahr offiziell nicht mehr zum Jungvolk gehört, entscheidet er sich zur Vermeidung von Ü30-Witzen gegen sein Bett und macht sich nach einem kurzen Rennen über die A3 auf direktem Weg zu S.

S. war bereits da (es war ja auch ihre Wohnung) und sie war in tiefem Gespräch mit S. über Frau Ypsilanti, über Politiker an sich, das europäische Schicksal, Integrationschancen von islamischen Menschen und zwischendurch auch über die Bilder der neuen Schnalle von S. auf Facebook.

Padre schnappte sich ein Bier aus dem Eisfach, wo S. die Flaschen noch schnell auf Trinktemperatur runtergekühlt hatte, und stieg - sozusagen aus dem Stehgreif - in die laufende Diskussion ein.

Als Padre das nächste Mal auf seine Uhr schaute, stellte er fest, dass sich ihr 4:45 Uhr anzeigendes Zifferblatt verdoppelt hatte, vor ihm auf dem Tisch eine beachtliche Menge leerer Bierflaschen, eine leere Flasche Marillenschnaps aus dem vergangenen Österreichurlaub, ein zur Hälfte geleertes Einmachglas mit Marillen, drei Flaschen Wein und zwei ultravolle Aschenbecher zu einem wirren Gemälde versammelt waren.

S. hing gefährlich halb von seinem Stuhl runter und sabberte im Halbschlag auf seinen Tommy-Pullover. S. klickte mit tiefroten Augen, losgelöst von Raum und Zeit, auf ihrem Notebook herum und muss schätzungsweise in dieser Nacht sämtliche Facebook-Profile zweimal durchgeklickt haben.

Padre ist dann mal nach Hause gegangen.


Tags für diesen Artikel: a3, apple, betrunken, bier, bitburger, facebook, iphone, marillenschnaps, padre, österreich
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Kommentare
Clay zu Tristar RK-6103 Reiskocher weiß 300 Watt
Mi, 19.01.2011 16:36
super danke! Auch wenn du die anleitung noch hättest würdest du nicht schl [...]


Felix zu Ich brauche noch etwas Zeit
So, 29.08.2010 23:25
Zeit... was ist das schon... f rüher stand man um 5 auch, ack erte auf dem F [...]


stek zu Tristar RK-6103 Reiskocher weiß 300 Watt
So, 29.08.2010 11:23
du weißt gar nicht wieviel gut es du mit deinem beitrag leist est. hallejuja. (:


Padre zu Padre hat den Sinn des Lebens gefunden
Mo, 17.05.2010 14:00
andere bezahlen viel geld für diesen zustand. :-)


Felix zu Padre hat den Sinn des Lebens gefunden
Mo, 17.05.2010 10:29
Das Persistieren „bewusstseins erweiterter“ Zustände wird aus medizinischer [...]


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